Entscheidung zur offenen Beziehung

Am Anfang sahen wir das Ganze noch als eine Art „Experiment“. Wir dachten wir einigen uns auf einen gewissen Zeitraum, testen aus und dann reflektieren wir, ob es das Richtige für uns ist und entscheiden neu. Das Ganze ist aber keine ja/nein Entscheidung, kein schwarz/weiß, sondern die Grenzen verschwimmen oft in einer Grauzone, wie in diesem Beitrag beschrieben. Also ist der Gedanke, „das Experiment zu beenden" und neu zu entscheiden totaler Blödsinn. Wir wussten, es geht nicht um offen oder geschlossen, sondern wirklich darum unseren eigenen Beziehungsrahmen zu finden. Also kein ja/nein, oder offen/geschlossen, sondern WIE soll unsere Partnerschaft sein. Trotzdem brauchten wir eine Weile, bis dieser Perspektivwechsel wirklich in unseren Köpfen und Herzen angekommen war.

 

Zu sehr spielten unsere alten Glaubenssätze, Vorurteile und Ängste noch mit. Obwohl wir uns beim Besprechen der Fragen meist einig waren und theoretisch die Entscheidung auf der Hand lag, war es für uns beide ein innerer Kampf. Wir hatten unsere Komfortzone verlassen. Ängste kamen hoch. Wir beschlossen die Ängste einmal getrennt voneinander niederzuschreiben um sie dann zu besprechen. Mit den Ängsten schwirrten auch Hoffnungen in unseren Köpfen herum, die wir gleich mit notiert haben.

Ängste und Hoffnungen

Nach einer guten Stunde kamen wir mit unseren Listen zusammen. Unsere Ängste ähnelten sich sehr. Ich habe Angst, dass du dich verliebst und wir uns dann trennen. Ich habe Angst, dass ich mich verliebe und wir uns dann trennen. Ich habe Angst, mich minderwertig zu fühlen. Die Ängste niederzuschreiben tut gut, dann fühlen sie sich ernst genommen und werden schon ein Stück kleiner. Als wir dann darüber sprachen wurde klar, dass die Angst, dass sich einer verlieben könnte, für uns unabhängig von Sex ist. Es braucht keinen Sex um sich zu verlieben und nur weil man Sex hat, ist man noch lange nicht verliebt. Und wer sagt eigentlich, dass wir uns trennen, sobald wir uns verlieben? Was bedeutet sich verlieben eigentlich? Je mehr wir darüber sprachen umso weniger sahen wir unsere Beziehung davon bedroht und umso kleiner wurden die Ängste.

 

Auf der anderen Seite eine lange Liste Hoffnungen. Ein hoher Wert meines Partners ist KLUW (Konstant lernen und wachsen) und genau dieser widerspiegelte sich in vielen seiner Hoffnungen. Schon lange war uns klar, dass unsere Partnerschaft eine Art lebenslanges Projekt ist, dass wir sie stetig weiterentwickeln, daran lernen und wachsen. Unsere Beziehung ist quasi die rote Couch auf der wir uns selbst kennenlernen und weiterentwickeln können, manchmal gemeinsam mit dem Partner, manchmal durch Impulse des Partners.

 

Unseren eigenen Rahmen für die Beziehung zu definieren, Grenzen zu überschreiten um sie zu finden, zu reflektieren und bewusste Entscheidungen zu treffen, ist ein enormer Lern- und Wachstumsprozess für uns. Die Hoffnungen waren nicht nur uns selbst kennen zu lernen, sondern auch unsere Beziehung zu vertiefen, uns näher zu kommen in dem wir uns öffnen. Auf der Hoffnungsliste stand auch die Möglichkeit neue sexuelle Erfahrungen zu machen, wie gleichgeschlechtlicher Sex oder 3er. Egal ob wir darauf Lust haben oder nicht, von meinem Gefühl her ist die Möglichkeit solche Ideen ungezwungen und völlig angstfrei zu besprechen jetzt überhaupt erst gegeben. Insgesamt standen sehr viele wunderschöne Hoffnungen den Ängsten entgegen.

 

Ein wunderschöner Abend mit einem wunschvoll verbindenden Gespräch ging zu Ende und wir haben uns wieder ein Stück näher kennengelernt und wieder einmal realisiert, wie hilfreich es ist, unsere eigenen und unsere gemeinsamen Werte zu kennen. Wiedereinmal waren wir gestärkt, in der Idee hinter unserem Spiel "Kompass durch dick und dünn" in dem es genau darum geht sich in verbindenen Gesprächen auf die Suche nach den gemeinsamen und den ganz eigenen Werten zu machen.

 


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